ROMANCE SCAM – BETRUG IN PHASEN

Wie läuft so ein Liebesbetrug im Internet eigentlich ab? Und wie kann man auf so etwas herein fallen? Das sind Fragen, die wir häufig gestellt bekommen.
Die Betrüger gehen dabei meist nach ähnlichen Mustern vor und passen diese dann der jeweiligen Situation an – sie bleiben aber bei einem ähnlichen Schema.

Phase 1 – Kontakt und Vertrauensaufbau

Die ersten Mails sind oft recht kurz und haben das Ziel, das spätere Opfer in einen Chat zu locken. Dabei werden meist Skype oder Instant-Messenger verwendet. Die Scammer verfolgen hier das Ziel, möglichst schnell die Schwachstellen ihrer Opfer zu finden.
Der Vertrauensaufbau geschieht meist folgendermaßen:

  1. Hat das potentielle Opfer schlimme Erfahrungen in der Vergangenheit erlebt, etwa den Verlust geliebter Menschen, dann gibt der Betrüger vor, Ähnliches erlitten zu haben. Oft ist sein Verlust dabei vermeintlich noch viel tragischer. So erzeugt der Scammer ganz bewusst ein Gefühl von Verbundenheit. Dadurch entsteht der Eindruck, einen Menschen gefunden zu haben, der das eigene Schicksal teilt und versteht.
  2. Häufig wird der Scammer sehr schnell offen und persönlich. Er schickt Fotos von seinen Kindern, von Verwandten oder von Urlauben. Diese Bilder stammen zumeist aus offenen Alben bei Facebook oder aus gehackten Profilen eines sozialen Netzwerks. In diesem Zuge fragt der Betrüger dann auch ganz gezielt nach Hobbys und nach dem sozialen Umfeld, um zu zeigen, wie sehr er sich für sein Gegenüber interessiert.
  3. Häufig spielt in dieser Phase des Vertrauensaufbaus auch der Glaube an Gott eine zentrale Rolle. Wenn der Betrüger glaubhaft vorgibt, sich aktiv in einer Kirchengemeinde zu engagieren und das auch mit entsprechenden Bildern belegt, dann ist das bei ebenfalls gläubigen Menschen ein wichtiger Vertrauensfaktor.

Phase 2 – Romantik und Fixierung

Anschließend setzen die Scammer alles daran, eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Bezugsperson im Leben ihrer Opfer zu werden. Das geschieht durch eine Art Ritualisierung in der Kommunikation, etwa durch eine regelmäßige E-Mail zum Tagesbeginn, einen Gruß zur Mittagszeit und einer Gute-Nacht-Mail. Die Sprache wird dabei immer blumiger und romantischer und gipfelt in täglichen Liebesschwüren.
In dieser Phase geschieht es auch in manchen Fällen, dass die Liebesbetrüger nach der Adresse fragen, z. B. um ein Geschenk zu schicken – was manchmal tatsächlich auch passiert, etwa in Form von Pralinen oder Blumen.

Phase 3 – Vorbereitung des Betrugs

Nun wird die Geschichte angebahnt, welche die Basis für den Betrug darstellt. Diese Geschichte hat häufig etwas mit einem Ortswechsel im Zuge einer Geschäftsreise zu tun. Die Betrüger geben dabei vor, aus geschäftlichen oder familiären Gründen ins Ausland zu müssen, häufig nach Ghana, Nigeria, Senegal, aber auch Russland oder ein Land in Südostasien.
Diese Geschichte dient zum einen als glaubwürdige Ausrede dafür, dass ein reales Treffen so ohne weiteres nicht möglich ist – zum anderen wird der Schauplatz für das Betrugsszenario ausgebaut.

Phase 4 – Es geht um Geld

Fast schon klassisch: Der Betrüger kommt bei seiner Auslandsreise in eine Notsituation, in der er dringend Geld braucht. Häufig gibt er dabei vor, dass er oder ein naher Verwandter schwer erkrankt ist und in dem Land, in welchem er sich gerade aufhält, Hilfe nur gegen Bargeld möglich ist. Das hat er natürlich nicht. Wenn sich das Opfer zunächst weigert, dann wird hier schnell und brutal psychischer Druck aufgebaut, z. B. mit sehr drastischen Formulierungen wie etwa „Willst du mich hier sterben lassen?“. Solche harten Formulierungen wirken umso stärker, da sich der Betrüger zuvor in Phase 2 so liebevoll, offen und romantisch gezeigt hat.
Noch eine Stufe härter ist die offene Drohung – die wirkt besonders dann sehr nachdrücklich, wenn zuvor die postalische Adresse übermittelt wurde. Hier scheuen die Betrüger nicht davor zurück Gewalt anzudrohen – „Ich habe deine Adresse, ich weiß wo du wohnst – wenn du mir das Geld nicht gibst, dann hole ich es mir!“
Deutlich seltener kommt es zu Situationen, in welchen dann wirklich Gefahr für Leib und Leben besteht – nämlich dann, wenn die Betrüger darauf abzielen, das Opfer tatsächlich in ihr Land zu locken.